Direkt zum Inhalt springen
Finanzen

Kleinunternehmerregelung in Österreich

Ab welchem Umsatz die Umsatzsteuerpflicht greift, was der Verzicht auf die Befreiung bringt und warum die Regelung für B2B-Betriebe oft ein Nachteil ist.

Datenstand 17. Aug. 202639 geprüfte Datenpunkte aus8 PrimärquellenRedaktionWSK
Erstellt 09.09.2026 · WSK
  1. 09.09.2026 · WSK
Selbstständige Unternehmerin im eigenen Ladenlokal
Auf dieser Seite

Dieser Artikel vergleicht 2 Optionen.

Wenn Sie die harten Kriterien nebeneinander sehen wollen, führt die Vergleichstabelle schneller zum Ziel als der Fließtext.

Geschäftskonten Österreich im Vergleich

Die Kleinunternehmerregelung befreit von der Umsatzsteuer — und vom Vorsteuerabzug. Ob das ein Vorteil ist, hängt an einer einzigen Frage: Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?

Die Entscheidung in einem Satz

Wer überwiegend an Privatpersonen verkauft, profitiert von der Befreiung, weil das Angebot um den Steuersatz günstiger wird. Wer an Unternehmen liefert, verschenkt mit der Befreiung den Vorsteuerabzug, ohne dass es die Kundschaft billiger bekäme — dort ist der freiwillige Verzicht meist die bessere Wahl.

Die Grenze

Umsatzsteuerbefreit sind Unternehmen bis zu einem Jahresumsatz von € 55.000Quelle. Maßgeblich ist der Umsatz, nicht der Gewinn — und nicht das, was am Ende übrig bleibt.

Zwei Dinge daran haben sich mit Anfang 2025 geändert und werden regelmäßig übersehen.

Erstens ist die Grenze seither ein Bruttobetrag. Vorher war sie ein Nettowert, aus dem die fiktive Umsatzsteuer herauszurechnen war — bei zwanzig Prozent Steuersatz entsprachen die damaligen € 35.000 netto also € 42.000 brutto. Heute zählt schlicht, was auf Ihren Rechnungen steht.

Zweitens gibt es eine Toleranz. Wird die Grenze um nicht mehr als zehn Prozent überschritten, dürfen Sie bis zum Jahresende weiter ohne Umsatzsteuer fakturieren. Erst ab € 60.500 ist damit Schluss.

Die Befreiung gilt automatisch: Sie müssen sie nicht beantragen. Solange Sie unter der Grenze bleiben, stellen Sie Rechnungen ohne Umsatzsteuer aus und weisen auf die Befreiung hin.

Was beim Überschreiten passiert

Innerhalb der Toleranz von zehn Prozent bleibt es bis Jahresende bei steuerfreien Rechnungen. Darüber hinaus entfällt die Befreiung, und die weiteren Umsätze sind umsatzsteuerpflichtig — auch dann, wenn Sie den Betrag Ihrer Kundschaft nicht mehr nachverrechnen können. Im Folgejahr beginnt die Umsatzsteuerpflicht ohnehin von Anfang an. Beobachten Sie den laufenden Jahresumsatz deshalb monatlich, nicht erst beim Jahresabschluss.

Was die Befreiung kostet

Der Preis der Befreiung ist der Vorsteuerabzug. Wer keine Umsatzsteuer verrechnet, kann sich die Umsatzsteuer auf eigene Einkäufe nicht zurückholen.

Für einen Betrieb mit hohen Vorleistungen ist das teuer: Jede Anschaffung, jede Software-Lizenz, jede Beauftragung wird um den vollen Steuersatz teurer, weil der Betrag nicht rückholbar ist. Bei einem Investitionsjahr — Fahrzeug, Ausstattung, Geräte — kann das schnell mehr ausmachen, als die Befreiung im Verkauf einbringt.

Zwei Rechenfälle

Verkauf an Privatpersonen. Ihre Kundschaft kann die Umsatzsteuer nicht abziehen. Ohne Befreiung müssten Sie entweder den Preis erhöhen oder Ihre Marge um den Steuersatz kürzen. Die Befreiung wirkt hier wie ein Preisvorteil.

Verkauf an Unternehmen. Ihre Kundschaft holt sich die Umsatzsteuer ohnehin zurück — Ihr Nettopreis ist für sie der einzige relevante Wert. Die Befreiung bringt ihr nichts, kostet Sie aber den eigenen Vorsteuerabzug. In dieser Lage arbeiten Sie ohne Not teurer.

Der Verzicht auf die Befreiung

Sie können auf die Kleinunternehmerbefreiung verzichten und freiwillig zur Umsatzsteuer optieren. Damit verrechnen Sie Umsatzsteuer und ziehen im Gegenzug die Vorsteuer.

Der Verzicht bindet Sie für mehrere Jahre. Er ist deshalb keine Entscheidung, die man saisonal wechselt — rechnen Sie mit dem erwarteten Investitionsvolumen der kommenden Jahre, nicht mit dem laufenden Monat.

Faustregel

Überwiegend B2B und nennenswerte Vorleistungen: Verzicht prüfen. Überwiegend B2C und wenig Wareneinsatz: Befreiung behalten. Bei gemischter Kundschaft entscheidet der Anteil des B2B-Umsatzes — und die Frage, ob im Planungszeitraum eine größere Anschaffung ansteht.

Was sonst noch an Abgaben anfällt

Die Umsatzsteuerbefreiung sagt nichts über Einkommensteuer und Sozialversicherung. Beide fallen unabhängig davon an.

Steuerliche Schwellenwerte für österreichische Unternehmen
OptionKleinunternehmergrenzeKörperschaftsteuerMindest-KÖSt je JahrGewinnfreibetrag
Unternehmenssteuer-Sätze Österreich 2026€ 55.00023 %€ 50015 %
Datenstand: 10. September 2026 (älteste Angabe in dieser Tabelle)Quellen:Bundesministerium für FinanzenRechtsinformationssystem des Bundes (RIS)Wirtschaftskammer ÖsterreichUnternehmensserviceportal des Bundes

Der Grundfreibetrag des Gewinnfreibetrags steht Einzelunternehmen und Personengesellschaften ohne Investitionsnachweis zu — bis zu einem Gewinn von € 33.000. Er mindert den steuerpflichtigen Gewinn und wird häufig übersehen.

Bei der Sozialversicherung gilt eine eigene Logik: Der Mindestbeitrag von rund € 160,81 monatlich fällt auch dann an, wenn der Gewinn darunter liegt. Details dazu stehen im SVS-Ratgeber und im Beitragsrechner.

Buchhaltung: was sich dadurch ändert

Ohne Umsatzsteuer entfällt die Umsatzsteuervoranmeldung — das ist die spürbarste Erleichterung im Alltag. Die Aufzeichnungspflichten bleiben davon unberührt: Einnahmen und Ausgaben sind vollständig und nachvollziehbar zu erfassen.

Auf Rechnungen muss der Hinweis auf die Steuerbefreiung stehen. Fehlt er und ist stattdessen Umsatzsteuer ausgewiesen, schulden Sie diese dem Finanzamt — auch als befreites Unternehmen. Das ist der häufigste und teuerste Fehler in dieser Konstellation.

Buchhaltungssoftware bildet beide Fälle ab; achten Sie bei der Auswahl darauf, dass sich der Status wechseln lässt, ohne die Historie neu aufzubauen. Ein Überblick steht bei den Cloud-Buchhaltungslösungen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich die Kleinunternehmerregelung beantragen?

Nein. Die Befreiung greift automatisch, solange der Jahresumsatz unter der Grenze bleibt. Beantragen müssen Sie das Gegenteil: den Verzicht auf die Befreiung, wenn Sie freiwillig zur Umsatzsteuer optieren wollen.

Was zählt zum maßgeblichen Umsatz?

Die steuerbaren Umsätze des Kalenderjahres, nicht der Gewinn. Bestimmte steuerfreie Umsätze bleiben außer Ansatz. Wenn Sie nahe an der Grenze liegen, klären Sie die Abgrenzung mit Ihrer Steuerberatung — die Folgen eines Irrtums treffen rückwirkend das ganze Jahr.

Was passiert, wenn ich die Grenze überschreite?

Die Befreiung entfällt, und die Umsätze werden steuerpflichtig. Problematisch wird es, wenn bereits ohne Umsatzsteuer fakturiert wurde und sich der Betrag nicht mehr nachverrechnen lässt — dann tragen Sie ihn selbst. Beobachten Sie den Umsatz deshalb laufend.

Lohnt sich der Verzicht auf die Befreiung?

Bei überwiegendem B2B-Geschäft fast immer: Ihre Kundschaft zieht die Umsatzsteuer ohnehin ab, Sie gewinnen den Vorsteuerabzug. Bei B2C-Geschäft selten, weil Sie dann faktisch teurer werden. Der Verzicht bindet mehrere Jahre — rechnen Sie mit dem Investitionsplan, nicht mit dem laufenden Quartal.

Was passiert, wenn ich versehentlich Umsatzsteuer ausweise?

Dann schulden Sie den ausgewiesenen Betrag dem Finanzamt, auch wenn Sie befreit sind. Eine Rechnungsberichtigung ist möglich, aber aufwendig. Prüfen Sie deshalb die Rechnungsvorlage Ihrer Software, bevor die erste Rechnung hinausgeht.

Gilt die Regelung auch für eine GmbH?

Die Umsatzsteuerbefreiung knüpft an den Umsatz, nicht an die Rechtsform — sie ist also grundsätzlich auch für eine GmbH möglich. Praktisch spielt sie dort kaum eine Rolle, weil Kapitalgesellschaften typischerweise im B2B-Geschäft tätig sind und Vorleistungen haben.

Im Detail nachschlagen

Alle in diesem Artikel verwendeten Daten mit Quelle, Konditionen und Prüfdatum.

Was die Forschung dazu sagt

Studien und Berichte zu diesem Thema, redaktionell eingeordnet — Volltexte bei den Herausgebern.